Regional & saisonal statt Import: Warum die Herkunft mehr zählt als das Siegel
„Regional“ und „saisonal“ werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber zwei verschiedene Dinge – und wer beide durcheinander bringt, kauft am Ende womöglich weniger nachhaltig ein, als er denkt.
Regional ist nicht automatisch saisonal – und nicht automatisch bio
Eine Tomate aus dem beheizten Gewächshaus zwei Dörfer weiter ist regional. Klimafreundlich ist sie deshalb noch lange nicht: Heizung und Beleuchtung eines Winter-Gewächshauses können mehr Energie kosten, als der Transport einer im Freiland gereiften Tomate aus Südeuropa verursacht hätte. Der eigentliche Hebel ist deshalb nicht allein die Region, sondern die Saison – wächst etwas gerade dort, wo es ohne künstliche Zusatzenergie wachsen kann.
Die Transportrechnung, die man selten sieht
Ein Kilogramm Gemüse, das mit dem Schiff aus Übersee kommt, verursacht ungefähr so viel CO2 wie der Transport von rund elf Kilogramm des gleichen Gemüses aus der Region. Kommt die Ware sogar per Flugzeug – etwa manche exotischen Früchte oder Ware außerhalb jeder Saison –, entspricht das dem Transport von rund neunzig Kilogramm regionaler Ware. Diese Größenordnung erklärt, warum Herkunft und Transportweg für die Klimabilanz oft mehr wiegen als die Frage Bio oder nicht.
Warum Bio + Import trotzdem schwächer sein kann als regional + saisonal
Ein Bio-Apfel aus dem Kühllager, der neun Monate nach der Ernte im Supermarktregal liegt, oder Bio-Beeren, die außerhalb der Saison eingeflogen werden, sind zwar nach EU-Bio-Verordnung erzeugt – klimatisch und geschmacklich schneiden sie aber oft schlechter ab als konventionell wirkende, aber saisonale und regionale Ware vom Hof nebenan. Es gibt keinen automatischen Sieger im Vergleich „Bio gegen Regional“, weil beide Begriffe unterschiedliche Probleme lösen: Bio garantiert die Anbaumethode, Regionalität kurze Wege und Transparenz. Am stärksten ist die Kombination aus allen drei Faktoren – dazu mehr im Artikel „Ist Bio wirklich besser?“.
Warum ein Hofladen automatisch saisonal einkauft – ein Supermarktregal nicht
Der Supermarkt zeigt das ganze Jahr über nahezu dasselbe Sortiment, egal ob gerade Spargelzeit oder tiefster Winter ist – möglich wird das durch globale Lieferketten und Kühllager. Ein Hofladen oder eine Biokiste funktioniert umgekehrt: Was auf den Tisch kommt, ist das, was gerade auf dem Feld steht. Saisonalität ist hier kein Verkaufsargument, sondern einfach die Konsequenz aus kurzen Wegen. Wer eine Biokiste abonniert, kauft dadurch fast automatisch saisonal, ohne selbst nachdenken zu müssen.
Praktisch: was hat gerade Saison?
Als grobe Orientierung für den Sommer: Jetzt haben unter anderem Erdbeeren, Kirschen und Tomaten Saison, etwas früher im Jahr Spargel. Über das ganze Jahr verfügbar sind Dauerprodukte wie Honig. Eine vollständige Monatsübersicht gibt es im Saisonkalender. Wer wissen will, wo genau es diese Produkte gerade frisch ab Hof gibt, findet das am schnellsten über die Umkreissuche.
Fazit
Wenn du dich zwischen „Bio, aber importiert oder aus dem Kühllager“ und „regional und saisonal, ohne Siegel“ entscheiden musst, ist Letzteres oft die klimafreundlichere Wahl. Am besten ist keine Entscheidung zwischen beidem nötig: regional, saisonal und bio zusammen – das findest du am zuverlässigsten direkt ab Hof.